Hier etwas längere Gedanken und Texte. Man sollte allerdings davon ausgehen, dass sie eine subjektive Meinung darstellen und es nicht um technische Fragen geht!

 

Zur Produktion

Ich werde häufig gefragt, wie man bei elektronischer Musik, bei all dem technischen Kram wie z.B. Sequenzern, Waveeditoren, Pitch-Shifter, Tap-Delays, Phaser usw. Stimmungen oder gar ein gewisses Gefühl einbringen kann. Nun, ich habe etliche so genannte mit Electro-Music, New-Age oder eventuell gar Meditations-Musik betitelte CDs im Schrank, wo ich einfach behaupte, dass die weitaus mehr Gefühl rüberbringen können als z.B. aktuelle Mainstream-Trallalla-CDs. Sicher gibt es natürlich auch sehr viel Produktionen mit Schund, Müll und voreingestelltes Synthiegeblubber die genau diese Schiene bedienen, mit auf den Zug aufspringen wollen um abzukassieren. Hat man jedoch die 'besseren' Musik-CDs gefunden, muss man einfach nur zuhören können. Sich die Zeit nehmen, auf eine Entdeckungsreise vor seinen Lautsprecherboxen zu gehen. Dies ist natürlich in unserer heutigen hektischen und schnelllebigen Zeit, in der nur manipulierte Trends willkommen sind, wirklich ein großer Luxus. Es sind manchmal nur die kleinen zarten und leise Töne die fesseln. Wie sagte ein bekannter klassischer Musiker und Sänger: "Musik soll nicht kompliziert sein, auch nicht die Kritiker überzeugen - Nein! Sie soll einfach nur schön sein und Gänsehaut erzeugen".

Vorwürfe

Oft gehört ist der Vorwurf, elektronische Musikinstrumente würden reale Musikinstrumente imitieren, man bräuchte nur auf Knöpfe zu drücken, am PC mit Software herumspielen und schon spielt alles von alleine. Ganz so einfach ist es nicht, mit einem Midi oder VST-Orchester zu jonglieren. Sicher können Synthies reale Instrumente imitieren oder Wavesamples von realen Instrumenten "abspielen" - aber eben nicht nur dies! Synthesizer können Gitarren, Pianos usw. in einem ganz anderen Bereich spielen lassen als sie eigentlich gedacht waren/sind. Man kann z.B. während des Spielens auf einen völligen anderen Sound morphen d. H. mit Echtzeitkontroller großen Einfluss auf die Klangstruktur nehmen. Wo sonst ist es möglich, eine Sägezahnwave/welle in einen Arpeggiator zu routen, mit Filterbänken zu gängeln und allmählich zu einem breiten Klangteppich werden zu lassen, dem ich noch im Verlauf z.B. den Reverbhahn aufdrehe, damit er mit der Zeit diffuser klingt? Ich habe mit Synthies auch die Möglichkeit eigene Instrumente oder Klänge zu erschaffen. Die Klanggestaltung ist sehr komplex und vielseitig. Man kann Synthesizer, ob real oder virtuell, in Verbindung mit softwaretechnischen Sequenzerplattformen als Gesamtinstrument betrachten — alles ist möglich. Was mir persönlich an der Verwendung von Synthesizern, Software und Midi auch gut gefällt ist, dass ich allein das Herrchen über unzählige Instrumente bin - muss niemanden fragen, ob er lauter, leiser oder in D-Dur usw. spielen kann. Und... ich kann morgens um 2 Uhr alle meine "Bandmitglieder" zusammentrommeln.

 

Zum Klang

Beim Mischen (oder Mastern — die exakte Definition ist bei Cubase SX etwas problematisch) meiner Tracks versuche ich so wenig wie möglich zu verändern. Minimale Equalizereinsätze für subsonische Bassabtrennung und eventuelle Klangkorrekturen behalte ich mir jedoch vor. Tontechnisch richtig muss dies überhaupt nicht sein, weil es durch Geschmack geprägt — und selbstverständlich auch durch semiprofessionelles Arbeiten bedingt ist. Ich persönlich finde den bedingungslosen Einsatz von Kompressor, Exciter und Limiter nicht  besonders genial. Es mag zwar sein, dass der Einsatz viel Übung und Praxis braucht, aber beim Abhören auf einer guten Hifi-Anlage zeigen sich auch Schwächen solcher starken Limiter– und Kompressoreinsätze. Der Klang wird schnell nervig und schrill. Es fehlt an Tiefenstaffelung und es ist keinerlei bis wenig Dynamik erkennbar. Es ist nicht Lautstärke gemeint, sondern vielmehr Lautstärkesprünge. Es klingt also fast immer gleich laut und es fehlt anschließend Dynamik.

Der Grund weil viele Mainstreamproduktionen auf diese Hilfsmittel zurückgreifen ist, dass sie im Radio (satter und eben lauter klingen (sollen). Auch ist eine gewisse Bereitschaft zu vernehmen, dass Musik für bestimmte Formate erdacht wird. Es ist nicht selten, dass Musik auf ein oberflächliches Hörverhalten der Käufer hin produziert wird. Nach kurzer Zeit muss in der Musik etwas passieren und länger als 4 Minuten Gesamtspielzeit sollte kein Song aufweisen. Wann wurde im Formatradio ein Titel gespielt der länger als 10 Minuten geht?

Zusätzlich komprimieren Radiosender mit psychoakustischen Effekten wie OptiMOD, TC Finalizer, Ultramaximizer, Jünger u.s.w. bis zum Erbrechen und fallen beim wählen des Radiosenders besonders auf - eben weil sie lauter und fetter klingen. Nur hinterlässt das Ganze einen ranzigen Beigeschmack. Manchmal hängt der Bass hinter dem Rest hinterher oder es ist sogar eine Art Echo erkennbar mit grässlichen Pumpeffekten. Man kann sich ausmalen wie schrecklich es klingen muss, wenn noch eine Abhöranlage mit der Möglichkeit einer dreistufigen Kompression (Medienplayer, AV-Receiver) hinzukommen. Es gibt sehr wenige Radiostationen die sich noch trauen in guter Qualität zu senden. Den öffentlich-rechtlichen Sendern, die sich an diesem Komprimierungswahn beteiligen, gehört Geld entzogen. Es ist aber nicht nur die Komprimierung von Klang: Die meisten Sender bieten nur noch angepasstes oberflächliches Schwachmatenradio mit daten–, zeit-, und meinungsreduzierten Reportagen. Außerdem jede Menge geistigen Flachsinn, welcher mit unseligen Klagen übers heiße/kalte Wetter oder zu dünne/dicke Brötchen des Dorfbäckers daherkommt und wohl das Gehirn des Hörers nicht belasten soll. Das ist auch eine Art der Zensur…

Dennoch lohnt es sich nicht alle Musik, die einem dynamikkomprimiert erscheint, allzu schnell als billig gemacht oder Schund zu verdammen. Manche Produktionen transportieren mit diesem Effekt, oder zusätzlichen Effekten, auch eine Art Lebensgefühl, zumindest neuzeitliche Einstellungen wie sich Musik auch anhören kann. Musikreproduktionen von Tonträgern sind letztendlich immer Kunstprodukte. Es ist daher auch legitim sie als Kunst zu verfremden. Es steht nirgendwo geschrieben, dass alles natürlich klingen müsste. Das war übrigens schon immer so, man denke an Jimi Hendrix und seine verzerrte E-Gitarre.

 

Zu  3D-Effekten und Abhöranlagen

Für die mir liebgewordenen 3D-Effekte, mit denen ich gerne experimentiere, braucht es eine solide Abhöranlage. Eine wichtige Eigenschaft (von einigen… ) ist das korrekte Abstrahlverhalten von Phase und Zeit der einzelnen Lautsprecher (Hoch- Mittel- und Tiefton). Was diese Fachbegriffe in der Lautsprecherphilosphie bedeuten führt hier leider etwas zu weit (wobei ich mir auch schwer tue es genauer zu erklären..). Die beste Position ist in der Mitte eines gleichschenkligem Stereodreiecks. Abstand zu den Speakern sollte ca. 2-3m betragen. Die Boxen event. leicht zur Hörposition angewinkelt, den Hochtöner in Ohrhöhe sollte man sehen. Es gibt zwar noch einige andere Parameter welche durch raumakustische Maßnahmen verbessert werden können, aber die lasse ich hier mal komplett außen vor. Ich weiß natürlich, manche Wohnräume geben solches einfach nicht her. Ob man selber kein Interesse, oder der Lebenspartner etwas dagegen hat sei dahingestellt. Es ist  gibt meistens immer eine brauchbare Lösung oder Kompromiss. Man wird mit einer deutlich verbesserten plastischen Abbildung und einem (fast!) 360° Sound belohnt. Dies betrifft bestimmt nicht nur meine Produktionen, sondern auch viele professionelle Aufnahmen (mir als Q-Sound seit 1989 bekannt). Außerdem unzählige unbekannte Kompositionen unzähliger anderer Musiker die kein Wort darüber verlieren.

Tonmeister, solche die es werden wollen und S(tr)olche die keine sind, haben sich beim Abmischen (meistens) etwas dabei gedacht, wo sie Instrumente usw. auf der virtuellen Bühne verteilen. Es ist doch schön, wenn sich der Matsch auf der imaginären Bühne zu einer epischen Breite lüftet. Wenn Musiker und Instrumente nicht aufeinander gestapelt sind, sondern wenn Luft und Raum dazwischen ist - wenn sich eine ‘Atmung‘ des Klangbildes einstellt. Dazu braucht es keine DVD oder SACD, es reicht ein normaler CD-Spieler oder alter guter Plattenspieler, beide mit guten Aufnahmen, und zwei gute Lautsprecher. All dies geben leider PC-Brüllwürfel, ultra günstige Kompakttürmchen und lächerliche Discounter-5.1-Anlägelchen einfach nicht her. Für 100 Euro Komplettpreis gibt es keine korrekte Phasenlage. Es wird auch kein Verkäufer derselben etwas damit anzufangen wissen. Zur Erinnerung: Hier ist von Surroundeffekten mit 'nur' 2 Lautsprechern die Rede! Meiner bescheidenen Erfahrung nach, ist dies nicht einmal dem Fachverkauf von High-End-Material unbedingt bekannt. Auflauschen von 3D-Effekten lässt aber viele Rückschlüsse auf Audioqualität zu.

Nachfolgender Link führt zu Produktionen die mit Q-Sound (mehr oder weniger gut) aufgezeichnet worden sind.

http://www.qsound.com/2002/spotlight/main2.asp

Eine einfache günstige Alternative ist der Kopfhörer. Leider wirken mit ihm die meisten 3D-Effekte nicht. Allerdings ist er bei der Klangneutralität fast unschlagbar — vorausgesetzt man investiert hier ebenfalls etwas Geld und Zeit bei der Auswahl. Bei der Suche nach einer normalen Abhöranlage sollte man sich in einen der übrig gebliebenen Hifi-Fachhandelsläden begeben. Sein Musikmaterial mitnehmen und sich ausgiebig beraten lassen und natürlich dort auch kaufen. Geld investiert in bessere Produkte mit Beratung und Service im Fachhandel ist kein geiler stupider Geiz, sondern wirklich clever investiert! Hier arbeiten viele Leute die mit Leib und Seele Musik hören. Man/Frau sollte sich auf das Abenteuer ‘Musik‘ auch einlassen. Gute Hifianlagen sind Illusionsmaschinen - nicht mehr und nicht weniger.

Zu meinem Geschreibsel

Alle subjektiven Texte sollen und sollten nicht oberlehrerhaft klingen. Falls der Eindruck jemals entstanden sein soll, bitte ich um Entschuldigung, dies wäre niemals meine Absicht. Ich weiß beileibe nicht alles und lerne jeden Tag bzw. bei jeder Produktion dazu (manchmal auch nicht… ).

 

Wer Rechtschreibfehler findet darf sie sehr gerne behalten, hab selbst genug davon :-)